Falkenberg – Bronzezeitliches Hügelgräberfeld im Schweinert

Landkreis Elbe-Elster

„Die Tempel und Pyramiden der Urbewohner auf dem rechten Elbufer, unweit dem Ausfluss der Schwarzen Elster“ – so, im etwas umständlichen literarischen Jargon der damaligen Zeit, nennt Dr. Friedrich August Wagner, ein Pionier der Brandenburger Archäologie, sein im Jahr 1828 erschiene­nes schma­les Büchlein. Allerdings irrt er sich, für seine Zeit mehr als verzeihlich, bei den Tempeln. Als solche interpretiert er nämlich Wallburgen wie die zwischen Malitschkendorf und Schlieben, auf der er auch als Ausgräber mit interessanten Ergebnissen aktiv war. Er betrachtete sie als vorzeitli­che amphi­theaterähnliche Kultanlagen. Völlig richtig lag der Forscher allerdings bei seinen Pyramiden. Das beste Bei­spiel für einen derartigen Platz, an dem er auch den Spaten ansetzte, ist das Hügelgräber­feld im Schweinert bei Falkenberg.

Panorama des Grabhügelfelds im Schweinert

Aus dem Dorf Klein Rössen führt ein einfacher Weg, parallel zum Lauf der Schwarzen Elster, in Richtung Süden,. Nach gut einem Kilometer ge­langt man in ein größeres Waldstück. Und schnell öffnet sich dort der Blick auf einen der größten erhaltenen hauptsächlich bronzezeitlichen Bestat­tungsplätze Mitteleuropas. Bei einer Vermessung im Jahr 1938 konnten immerhin noch 642 Hügel, die sich dicht an dicht über eine Fläche von ca. 8 ha verteilen, registriert werden. Deutlich ist dabei eine Ost-West-Teilung des Terrains zu beobachten. Große Hügel mit umlaufenden Gräben liegen im Westen, kleinere im Osten. Die größten Hügel erreichen einen Durchmesser von 18 – 40 m bei einer Höhe von bis zu 4 m. Bescheidener nehmen sich die Kleineren mit Durchmessern von 7-9 m und Höhen von lediglich 0,3-0,5 m aus, was sie für den ungeübten Beobachter, besonders bei voller som­merlicher Vegetation, fast unsichtbar macht.
Einen sehr guten Überblick bekommt man hier wieder mit Hilfe des „Brandenburg Viewers“. Das durch Laserscann gewonnene digitale Geländemodell zeigt nicht nur die Ausdehnung des Gräber­felds sondern auch Größenunterschiede und um die Hügel aufgeworfene Gräben. Selbst die bei den großen Hügeln im südlichen Bereich angelegten Erdbrücken über diese Gräben zeichnen sich beim Heranzoomen ab.

Allerdings erkennt man auch etwas anderes. Wie kleine Vulkane weisen viele Hügel auf ihrem Gip­fel Vertiefungen auf. „Getrichtert“ nennt man es, wenn Raubgräber auf diese Art versuchten, an die erhofften Schätze im Zentrum des Grabes zu gelangen.
Ein weiterer früher Archäologe der hier grub, Dr. Albert Voss (1837-1906), sprach, genau wie H. Agde in den 30er Jahren, den teilweise durch die Schatzsucher verursachten desolaten Zustand des Gräberfeldes an. Zusätzlich vermutete er auch massiven Steinraub zur Materialgewinnung für den Straßenbau. Er hielt es wohl für möglich, dass viele der Hügel, wie bei den Anlagen der Nordischen Bronzezeit, von einem Steinkranz umgeben waren.
Wie auch immer, die Grabungen von Wagner, Voss und zum Schluss Agde erbrachten, wenn auch nicht nach heutigen Normen durchgeführt, eine ganze Reihe wertvoller Ergebnisse und Funde. So waren die großen Hügel oft auf einer wohl künstlich aufgeschütteten Schicht aus weißem Sand errichtet über der sich Scheiterhaufen zur Verbrennung des Verstorbenen und rechteckige Steinpackungen fanden. Auf diese schüttete man den Leichenbrand, stellte Gefäße und andere Beigaben ab. So traf man auf bronzene Nadeln, Ringe und sonstigen Schmuck, auch Lanzenspitzen, Griffzungenmesser mit Ringende und Horn­griff, sogar 1 Paar goldene Lockenspiralen, Mahlsteine und Spinnwirtel. Interessant war eine Urne mit dem Leichenbrand eines Kindes und einer kleinen Pferdeplastik, vielleicht das Lieblingspielzeug. Wesentlich bescheidener zeigten sich die kleineren im Osten angelegten Gräber. Die Beisetzung erfolgte hier neben wenigen Beigaben in einfachen eingetieften Gruben. Weiterhin stieß man aber auch auf Flachgräber und Nachbestattungen in den Hügeln, die in keinem erkennbaren Zusammenhang mit der Hauptbestattung standen.
Die oben bereits erwähnte Grabung Agdes, er untersuchte nur 2 Hügel und diese nicht einmal komplett, erbrachte noch einige faszinierende Funde. Dazu gehören eine Bronzetasse und ein Bronzesieb. Siebe wurden zwar auch früher gefunden, waren jedoch immer aus Ton. Dazu kamen noch Reste von Schachteln aus Birkenrinde und wohl mit Getreidebrei gefüllten Holzgefäßen.
Keramik und die damit vergesellschafteten Metallfunde erlauben eine einigermaßen sichere kultu­relle und zeitliche Zuordnung. Danach haben wir es hier mit Gräbern der Elbe-Elster-Gruppe der Lausitzer Kultur aus der jüngeren und jüngsten Bronzezeit (Hallstatt A2) zu tun. Dass diese mehr oder weniger bruchlos in die frühe Eisenzeit überging zeigen nun gerade die Nachbestattungen und Flachgräber. Hier nämlich findet sich Keramik der sogenannten Billendorfer Gruppe, die im Süden Branden­burgs und in Sachsen die Lausitzer Kultur der Bronzezeit ablöste. Man war zu dieser Zeit wohl bescheidener geworden.
Erwähnenswert wäre noch ein weiterer Umstand. Südwestlich dieses große Gräberfeldes liegt inmitten landwirtschaftlich genutzter Flächen eine alte Wallanlage. Zwischen dieser und den Bestattungen könnte es durchaus, darauf verwies schon Agde, einen Zusammenhang geben.

Friedrich August Wagner, Die Tempel und Pyramiden der Urbewohner auf dem rechten Elbufer, unweit dem Ausfluss der Schwarzen Elster. 1828.
H. Agde, Lausitzer Grabhügel bei Falkenberg, Kr. Liebenwerda. Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächs.-thüring. Länder 24 (1936) 173 ff.
R. Breddin, Falkenberg. In: Archäologie in der DDR. Denkmale und Funde, Bd. 2, S. 447.
Rolf Breddin, Hügelgräberfeld im Schweinert bei Falkenberg, Kr. Herzberg. In: Berlin und Umgebung. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 23, 1991, S. 192/93

Zeitreisen in der Mark Brandenburg und anderswo …