Dorfkirchen

Oftmals sind es verborgene Schätze, die in zahlreichen Dörfern des Landes Brandenburg stehen. Entweder mitten im Ort auf dem Anger oder, ebenfalls zentral, etwas höher gelegen, in vielen Fällen vom noch heute genutzten Friedhof umgeben, auf dem über die Jahrhunderte die ansässigen Familien ihre Toten begruben: Die alten Dorfkirchen. Und in vielen Fällen sind sie das älteste Bauwerk der Ansiedlung. Die Höfe der Gründergenerationen sind längst verfallen und vergangen. Auf ihnen wuchsen immer neue Wohnhäuser, Stallungen, Scheunen, Speicher – je nach dem, ob die Zeiten den Bauern günstig gesonnen oder eher mager waren. Anders die Dorfkirchen – sie erstanden aus dem dauerhaften eiszeitlichen Geröll, dass die ersten Siedler von den frisch gerodeten zukünftigen Acker- und Weideflächen geräumt hatten.

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Sie sind die ältesten Zeugen des mittelalterlichen Landesausbaus, als die Mark mit ihren Städten, Dörfern, Klöstern und Burgen die Gestalt annahm, in der sie sich auch heute noch bei genauerem Hinsehen präsentiert
Viele der Kirchen entstanden noch im 13. Jahrhundert, dann, wenn das neue Dorf aus dem Gröbsten heraus und Gottesfurcht und Wohlstand auch noch Außen gezeigt werden wollten. Billig war so ein Bau nicht. Versuchte man doch die Bauweise in den älteren Teilen Deutschlands nachzuahmen. Dort, von wo viele der Neusiedler kamen, gab es relativ leicht zu bearbeitende Materialien wie Sandstein. Die Norddeutsche Tiefebene aber hat als dauerhaftes und repräsentatives Material nur ihre Feldsteine.

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Rüderdorfer Kalk und die Möglichkeiten des Backsteins waren noch nicht erschlossen. So bearbeitete man mühselig das einheimische Material, glättete die Steine gleichmäßig an fünf Seiten um sie dann in regelmäßigen Fugen zu vermauern. Die Zeit war damals vorhanden. Oft wurde großzügig gebaut, manchmal großzügiger als notwendig. Auch weil etwas Stadt werden sollte, das es dann doch nicht wurde. Dafür stehen die ehemalige Basiliken von Hohenfinow und Prädikow und die auffallend große Kirche in Blumberg bei Berlin. Aber die Zeit der Askanier, besonders das 13. Jahrhundert, war eine Zeit des Aufbruchs, Werdens, Wachstums und offensichtlichen Wohlstands.

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In spätere Jahrhunderten verzichtete man auf diesen Aufwand. Der Mörtel war gut und hielt auch so. Brände wüteten, verursacht durch Krieg und Blitzschlag, es musste ausgebessert werden, Umbauten erfolgten. Im Barock vergrößerte man die Fenster und verputzte die Außenwände. Das 19. Jahrhundert brachte eine Rückbesinnung auf alte Zeiten oder dass, was man sich darunter vorstellte. An- und Umbauten waren jetzt Neuromanisch oder Neogotisch und manchmal gleich Beides zusammen. Heute fällt es dadurch oft schwer ursprüngliche Bauteile von historisierenden Ergänzungen zu unterscheiden. Besonders dann, wenn Unterlagen über vergangene Baumaßnahmen nicht mehr vorhanden sind.

Zeitreisen in der Mark Brandenburg und anderswo …