Martinskirchen

Landkreis Elbe-Elster

Durch mehrfache Umbauten fast bis zur Unkenntlichkeit verändert: Das spätromanische Gotteshaus von Martinskirchen
Durch mehrfache Umbauten fast bis zur Unkenntlichkeit verändert: Das spätromanische Gotteshaus von Martinskirchen

Erstmals erwähnt wird 1251 die Mertinskirche, was darauf deutet, dass der Ort seinen Namen dem Schutzpatron der Kirche dem diese geweiht war, zu verdanken hat. Möglicherweise handelt es sich dabei um den Schutzheilige des Gründers. Martinskirchen gehörte, wie eine ganze Reihe anderer Dörfer der Umgebung, den Grafen von Ileburg, die auch eng mit Entstehung und Entwicklung des Klosters Mühlberg verbunden waren.

Die Kirche erscheint heute als Putzbau der kaum noch etwas von seiner hochmittelalterlichen Herkunft verrät. Mehrere nicht gerade glückliche Umbauten haben ihr Erscheinungsbild bis zur Unkenntlichkeit verändert. Aber schon die Schallöffnungen des Turms machen stutzig. Paarweise angeordneten Rundbögen, in der Mitte von je einem Säulchen getragen. Dies ist eine Form, wie sie an der ebenfalls verputzten Kirche von Koßdorf vorkommt. Und sie ist typisch für die Romanik. Tatsächlich entstand der Bau in Martinskirchen wohl schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Immerhin hat sich aus dieser Zeit noch eine Glocke erhalten. Errichtet wurde er, wie eine ganze Reihe benachbarter Kirchen, aus Backstein. Dafür verantwortlich ist die Nähe des Zisterzienserkloster Mühlberg mit seinen Ziegelwerkstätten. Ursprünglich bestand die Kirche wohl aus querrechteckigem schiffsbreitem Westturm, Schiff, eingezogene Chor und, was aber nur durch eine Grabung im Innern sicher feststellbar wäre, einer halbrunden Apsis im Osten. Interessant war die damalige Form des Turms. Das Oberteil nämlich wies zwei Türmen mit jeweils eigenem Glockengeschoss und rundum angeordneten Schallluken auf. Verbunden wurden die Türme durch einen Schwippbogen. Annähernd Ähnliches findet sich in der näheren Umgebung nur bei der Kirche von Lugau, deren beide Spitzen elegant eine Doppelturmanlage vortäuschen.
Außer den Schallluken ist von originalen Öffnungen so gut wie nichts übrig geblieben. Lediglich im Süden erhielt sich noch ein vortretendes mehrstufiges Rundbogenportal, dass aber ebenfalls bei Arbeiten im Jahr 1904 verändert wurde.
Im Innern verbindet ein rundbogiger Triumphbogen mit profilierten Kämpfern Chor und Schiff, eine Doppelarkade, allerdings später verkleinert, Schiff und Turmhalle. Im neuzeitlichen Anbau auf der Nordseite könnte eine mittelalterliche Sakristei stecken. Darauf deuten profilierte Konsolsteine an den Ecken sowie eine Piscina im Osten. Hier befindet sich heute ein Altargemälde aus dem 1. Viertel des 16. Jahrhunderts.
Das vielleicht schon vorher veränderte Gotteshaus wurde in den Jahren von 1690-99 gründlich umgebaut. Spätestens jetzt verschwanden die beiden Türme. Im Osten verlängerte man den Chor und gab ihn einen polygonalen Schluss. Dabei wurden wohl auch alle anderen Öffnungen umgestaltet und die Kirche zum Putzbau. Bei den schon erwähnten Arbeiten des Jahres 1904 versuchte man sich an einer Reromanisierung einiger Teile. So gestaltete man die Fenster der Schiffsnordseite zu Rundbogenlanzetten um und brachte den abschließenden Rundbogenfriese an.

nach:

Georg Dehio und Gerhard Vinken, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Brandenburg. 2000.
Reinhard E. Fischer, Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. 2005.

Zeitreisen in der Mark Brandenburg und anderswo …