Maulbeerwalde

Landkreis Ostprignitz-Ruppin

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Die kleine Kapelle von Maulbeerwalde soll hier als Beispiel dienen, wie ein erster Augenschein – fast – täuschen kann. Mit seinem unregelmäßigen Feldsteinmauerwerk, den Backsteingewänden von Westportal und Fenstern und den Spitzbogenblenden im Giebel, scheint sie sich auf den ersten Blick gut in die Reihe der zahlreichen spätmittelalterlichen Kirchen der Prignitz einzureihen.
Doch zeigen schon bei näherem Hinsehen die kleinformatigen Ziegel, wie sie weder das Mittelalter mit seinem wuchtigen Klosterformat noch der Barock kannte, dass es so nicht sein kann. Denn weder der kleine Ort, noch das Bauwerk sind sonderlich alt. Maulbeerwalde entstand, darauf deutet schon der Name, im Zuge der von Friedrich dem Großen angestrebten inländischen Seidenraupenzucht, die Preußen von den teuren Importen aus China unabhängig machen und die chronisch leeren Kassen füllten sollten. Noch jünger ist die Kirche. Der gotisierende Bau wurde erst 1820 errichtet. Immerhin jedoch, gerade im Vergleich mit manchen Entgleisungen dieser Zeit, ein ziemlich geschmackvolles und in seiner Bescheidenheit in die Landschaft passendes Bauwerk.

nach:

Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. 1.2. Ostprignitz. 1907.
Georg Dehio und Gerhard Vinken, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Brandenburg. 2000.
Reinhard E. Fischer, Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin.

Zeitreisen in der Mark Brandenburg und anderswo …