Doberlug-Kirchhain – Zisterzienser

Landkreis Elbe-Elster

Frisch renoviert und neu genutzt: Der Südflügel im Sommer 2011
Frisch renoviert und neu genutzt: Der Südflügel im Sommer 2011

Nach zisterziensischer Tradition wurde das Mönchskloster am 1. Mai 1165 durch Dietrich von Landsberg, den Sohn Konrads des Großen von Meißen gegründet. Schon 1005, in der Chronik Thietmar von Merseburgs findet Dobraluh, gelegen am Ostufer der Kleinen Elster und umgeben von Sümpfen, Erwähnung. Damals trafen sich hier deutsche und böhmische Heere zum gemeinsamen Feldzug gegen König Boleslaw von Polen.
Um die Sicherung von Herrschaftsansprüchen dürfte es auch bei der Klostergründung gegangen sein. Dietrich hatte bei der Teilung des väterlichen Erbes die Niederlausitz erhalten, während das Wettiner Stammland, die Mark Meißen, seinem älteren Bruder Otto zufiel. Die neu entstandene Linie benötigte Hauskloster und Grablege. Auch galt es das Gebiet nach Außen und Innen abzusichern.

Richtig begonnen haben dürfte das Klosterleben und der Aufbau der Anlage aber erst nach den Wirren von 1178-80. Damals verbündete sich Heinrich der Löwe im Kampf gegen sächsische Fürsten mit Pommern und Obodriten. Diese drangen nach Süden vor, verwüsteten die Lausitz, ließen Jüterbog, vielleicht auch Zinna, in Flammen aufgehen. Danach allerdings häufen sich die Nachrichten. 1202 wird die Kirche – Doberlucensis ecclesiaerwähnt. Zehn Jahre später verarbeitet Herr Walther von der Vogelweide seine Winterdepression. Eh er diese farblose und kalte Zeit ertrüge, würde er lieber Mönch in Toberlu! Im Weltbild der Menschen jenseits der Elbe hatte wohl das Land im Osten den Ruf eines anus mundi.
Doch wie auch immer, das Kloster wird reich. Mit der Zeit wächst seine Landausstattung. Bezieht es im Jahr 1234 seine Einkünfte aus 15 Dörfern, so sind es 1431 bereits 47. Dazu kommen noch die Erträge aus Mühlen, Fischereirechte und diverse andere Einnahmen.
Auf der einen Seite weckt dies natürlich die Begehrlichkeiten der weltlichen Mächte. Seit dem 13. Jahrhundert sind Streitfälle mit Vasallen der Markgrafen und anderen Adligen bezeugt. 1219 soll der Doberluger Abt gar an der Ermordung des Burggrafen Herrmann von Golßen beteiligt gewesen sein. Ein Jahrhundert später gibt es Streit mit den Herzögen Rudolf II, Albrecht III. und Wenzel von Sachsen. Die berüchtigten Quitzows aus der Prignitz tummeln sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf den Ländereien des Klosters. Später liegt man im Clinch mit dem Meißener Bischof. Selbst die Waffe Exkommunikationen kommt dabei zum Einsatz.

doberlug_grundriss

     erhaltene Bauten
     oberirdisch nicht mehr sichtbare Bauglieder

1     Klosterkirche
2     Refectorium
3     Mönchsflügel mit Kapitelsaal, Auditorium, Durchgang zur Infirmaria monachora,
Camera, Flur mit Treppe und Karzer
   Konversenflügel mit Auditorium, Cellarium, Flur, Konversenrefektorium,
und Tageraum der Konversen, sowie Westvorhalle der Kirche
5     Kreuzgang, 1670 abgerissen
6     Sakristei
7     Calefactorium
8     Küche
9     Reste einer 1670 abgerissenen Kapelle

Plan des Zisterzienserklosters Dobrilugk (Umzeichnung nach Goecke, 1917)

Andererseits ist eine Klosteranlage wie die von Dobrilugk auch wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. In ihrem Schatten entwickelt sich der Flecken Kirchhain aus dem Markt des Kloster. Zur Errichtung der umfangreichen Gebäudekomplexe ist ein ganzer Schwarm von fähigen Handwerkern nebst eigener Backsteinproduktion notwendig. Wie ein dicht geknüpftes Netz überziehen Zisterzienserklöster fast ganz Europa. Zwischen ihnen herrscht ein reger Informationsaustausch. Künstlerisches und technisches Know-how dringt so auch in das Land zwischen Elbe und Oder. Manches architektonische Detail an den Gotteshäusern der Klosterdörfer kündet davon.
Doch wenn auch Dobrilugk von den Hussiteneinfällen verschont bleibt, das Ende des päpstlichen Primats, das Ende des Mittelalters beginnt sich anzukündigen. Der Niedergang des Klosters scheint schon um die Wende zum 16. Jahrhundert voll eingesetzt zu haben. So gerät der damalige Abt Balthasar in den Ruf, fragwürdige Ansichten über das Eigentumsrecht an ihm zur Aufbewahrung anvertrauten Geldern und Gütern zu haben. Die Folge sind mehrere Fehden mit Bürgern und Adligen in deren Verlauf sogar das Klosterdorf Lugau in Flammen aufgeht. Schon jetzt beginnen die ersten Mönche Dobrilugk zu verlassen. Eine Visitation erfolgt 1502/03, da man die Zisterze verdächtigt, dass dort eine unordentliche und bose regirung herrsche.
Wie auch immer, die Reformation kommt und nimmt ihren Lauf. 1534 flieht Abt Heinrich unter Mitnahme wertvoller Kleinodien. Zugleich presst König Ferdinand I. dem Kloster einen Kredit ab. Als dann Kurfürst Johann Friedrich, Streitereien unter den verbliebenen Brüdern zum Vorwand nehmend, das Kloster 1541 besetzen lässt, kommt schnell das endgültige Aus. Der Abt und die letzten 4 Mönche erhalten eine Pension auf Lebenszeit.
Neben der Klausur, mit dem Abtsgebäude als Kern entsteht in der 2. Hälfte des 17. Jahrhundert ein Wasserschloss. Die Klausur dient als Steinbruch, Viehstall, Wolfs- und Hundezwinger. Die Kirche wird zur Doberluger Pfarrkirche.
Im 20. Jahrhundert existiert nur noch diese und der Südflügel der Klausur mit dem Refektorium. Nach dem 2. Weltkrieg kommen hier Flüchtlinge unter, die Rote Armee. Schließlich geht 1956 das Schloss an die NVA, die auch den Südflügel nutzt. Dementsprechend heruntergekommen ist dieser dann auch nach dem Ende von NVA und DDR. In den letzten Jahren allerdings fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt und das Gebäude wurde zu einem Veranstaltungs- und Ausstellungszentrum umgebaut.
Einen immer noch beeindruckenden Anblick bietet die ehemalige Klosterkirche. Der imposante Backsteinbau dürfte eins der frühesten eingewölbten Bauwerke in Brandenburg sein. Es ist eine spätromanische Basilika mit kreuzförmigem Grundriss. Ihre Länge beträgt ca. 64, 5 m. Das Mittelschiff ist 8,2 m breit und 18,6 m hoch. Über dieses spannt sich ein Kreuzgewölbe, dazu Kreuzgratgewölbe über die beiden Seitenschiffe. Allerdings ist der genaue Baubeginn noch ungeklärt. Grabungen in den letzten Jahren, die noch nicht ausgewertet sind, brachten Befunde von frühesten Anlagen, welche vielleicht noch in die Zeit vor den Slaweneinfälle von 1178-80 zu datieren wären. 1209 müssen jedenfalls die Arbeiten schon so weit fortgeschritten gewesen sein, dass die Kirche als Grablege für Markgräfin Elisabeth von Meißen dienen konnte.
Seit der Säkularisation 1541 ungenutzt, fanden hier ab 1602 evangelische Gottesdienste statt. Schwere Schäden hinterließ der Dreißigjährige Krieg, die in den Jahren 1673-76 behoben wurden. Das Bauwerk diente nun als Hofkirche des benachbarten Schlosses.
Weitere Arbeiten und Umbauten erfolgten nach einem Brand zwischen 1852 und 59. Besonders den Innenraum gestaltete man von 1905-1909 neu. Gleichzeitig wurden auch die beiden Dachreiter, einmal im Westen und dann über der Vierung, aufgesetzt.

nach:

Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. 5.1. Kreis Luckau. 1917. Georg Dehio und Gerhard Vinken, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Brandenburg. 2000.
Oliver H. Schmidt und H. Jürgen Feuerstake (Hrsg.), Die Zisterzienser und ihre Klöster in Brandenburg. 2005.
Heinz-Dieter Heimann, Klas Neitmann, Winfried Schich, Brandenburger Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. 2007

und nah dabei:

Hinweis2

Dorfkirche Lindena
Dorfkirche Lugau
Dorfkirche Werenzhain
Dorfkirche Frankena
Dorfkiche Schönborn

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