Gramzow – Prämonstratenser

Landkreis Uckermark

Gramzow_Kloster_1

Nähert man sich Gramzow von Süden, so fallen schon früh die den Ort eindrucksvoll überragenden Reste der ehemaligen Klosterkirche auf. Als 1168 villa Gramsowe in der provincia Vcra erstmals erwähnt wird, gehört die fruchtbare Landschaft noch den Pommernherzögen und die Einwohnerschaft des Gebiets besteht größtenteils aus heidnische Slawen. Die sollen, wie schon zuvor ihre Herren, die ebenfalls slawischen Herzöge, nun frommen Christen werden. So wird das Gramzower Prämonstratenserstift, an dessen Gründung vielleicht auch die Mönche aus Grobe auf Usedom beteiligt waren, zum Missionsstützpunkt in der Uckermark. Darauf, dass es sich so verhielt deutet auch das dichte Netz von Pfarrkirchen aus dem 13. Jahrhundert in dieser Gegend.

Die Gründung erfolgte zwischen 1168 und 1177 durch Herzog Bogislaw I. Gramzow ist wie Prenzlau und Pasewalk zu dieser Zeit schon Kirchenstandort. Noch früher, dass brachten archäologische Untersuchungen 1993-96 ans Licht, bestand hier eine spätslawische Siedlung. Zusammen aufgefundene slawische und deutsche Keramik spricht für die ungebrochene Kontinuität des Platzes.
Propst und Kapitel scheinen sich ihrer Lage zwischen Pommern und den aus Süden vordringenden Askanier bewusst gewesen zu sein. Ohne die Beziehungen in den Norden aufzugeben wählt das Kloster 1245 die Brandenburger Herren zu Vögten des Stifts. 1250 fällt dann die Uckermark an die Askanier. Der letzte regierende Vertreter der Dynastie, Markgraf Waldemar hält sich 1312 hier mit seinem Hof auf. Die folgende Zeit ist, wie überall im Land, unruhig. So wird bei Auseinandersetzungen zwischen dem Kloster und Prenzlau 1335 der Probst gefangen genommen und in der Stadt festgesetzt. Zwischen 1354 und 1472 kommt das Gebiet sogar noch einmal zu Pommern um danach für immer bei Brandenburg zu verbleiben.
Die Vorsteher des Stifts spielen eine nicht unbedeutende Rolle in der Nachbarschaft als Schlichter und Richter, arbeiten in Kommissionen, Beurkunden und vollstrecken Testamente. 1270 ist der Probst bei der Weihung der Franziskanerkirche in Prenzlau durch den zuständigen Bischof anwesend.
Wenig ist über die Auflösung im Zuge der Säkularisation im 16. Jahrhundert bekannt. Das Kloster und seine Besitzungen gehen wie üblich an den Landesherren, wird staatliches Domänengut und mit den Hinterlassenschaften des Stifts von Seehausen zusammen gelegt. Die Klosterkirche ist nur noch zur Hälfte Gotteshaus – der andere Teil dient als Getreidespeicher. Im Jahr 1687 übernimmt die französisch-reformierte Gemeinde den Bau, doch nicht für lange. Verwüstungen durch Brände 1714 erzwingen den Abriss. Es bleibt bis heute nur noch die weithin sichtbare Westwand der sechseckigen Kapelle.

nach:

Georg Dehio und Gerhard Vinken, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Brandenburg. 2000.
Heinz-Dieter Heimann, Klas Neitmann, Winfried Schich, Brandenburger Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. 2007

 

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