Boitzenburg – Zisterzienserinnen

Landkreis Uckermark

Boitzenburg_Impression

Die Klosteranlage liegt dicht bei Schloss und Dorf Boitzenburg, im Mittelalter ein nicht unbedeutender Marktflecken am Verkehrsweg von Fürstenberg/Havel nach Prenzlau. In diesem Gebiet stießen die Territorien Mecklenburgs, Pommerns und Brandenburgs aneinander, was reichlichen Zündstoff für gewaltsam ausgetragene Konflikte bot. Dabei spielte die Gründung von Klöstern eine gewichtige Rolle, da mit ihnen Besitzansprüche proklamiert und Gebiete abgesteckt wurden. So stifteten die Brandenburger Markgrafen Johann II., Otto IV. und Konrad das Zisterzienserinnenkloster Boitzenburg im Jahre 1271.
Selbstverständlich wurde die Neugründung reichlich mit Dörfern, Mühlen, Teichen, Kirchenpatronaten und sonstigen einträglichen Rechten ausgestattet und 1281 mit dem Benediktinerinnenkloster Marienpforte bei Flieth und Stegelitz vereinigt.

Wer hat, dem wird gegeben und Nonnenklöster dienten u.a. auch zu standesgemäßen Unterbringung der, warum auch immer, nicht zu verheiratenden Töchter des Adels. Später kamen dann noch wohlhabende Bürgersprößlinge dazu. Und alle vermachten dem Kloster etwa, für Unterbringung und das eigene Seelenheil. So mehrte sich der Besitz stetig. Selbst die Auseinandersetzungen zwischen Brandenburg und Pommern um die Uckermark in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts trugen zum Wachstum des Klosters bei. Dann aber, nach 1350 kam die Krise. Die frommen Schwestern waren gezwungen Land zu verkaufen. Erst die Belehnung des Klosters mit dem Ort Boitzenburg Anfang des 15. Jahrhunderts hielt den Niedergang auf, wenn die Zeit des Wachstums auch vorbei war. Neben den schon genannten vielfältigen Rechten und Immobilien verfügte das Kloster noch über einen beträchtlichen Schatz.
All das beendet die Reformation. Das Kloster wird säkularisiert und geht schon 1538 als Lehen an den Landvogt der Uckermark Hans von Arnim. Kurze Zeit später kann dieser das ansehnliche Paket kaufen. Die letzte Äbtissin und die noch verbliebenen Nonnen erhalten Kost und Logis auf Lebenszeit. Zu diesen Bedingungen gehen auch die Klöster Lindow und Himmelpfort an die von Arnim. Deren Stammsitz bleibt bis 1945 das Boitzenburger Schloß.
Die Klostergebäude werden, mit Ausnahme des Chores der Stiftskirche in dem weiterhin Gottesdienste stattfinden, nun profan für Wohn- und Wirtschaftszwecke genutzt. Brandschäden und Leerstand leiten den immer offensichtlicheren Verfall ein. Teile der Bauten liefern jetzt das Material für den Umbau des Schlosses und wohl auch die Dorfbewohner durften sich bedienen.
Das nach 1300 entstandene Backsteinensemble aus Stiftskirche und Klausur schwindet so allmählich bis auf den heute noch vorhandenen Rest. Von der einschiffigen Backsteinkirche steht nur noch die Nordwand und die Hälfte des polygonalen Ostchors. Vom Westflügel der Klausur blieb dessen westliche Außenmauer, der Südgiebel und ein kleiner Teil des Anschlusses an den Südflügel. Im Osten scheint ein langgestrecktes Wirtschaftsgebäude gelegen zu haben. Die hier aufgezählten Bauten gruppierten sich um den Kreuzgang und wurden von diesem untereinander verbunden.
Genauere Informationen über den oberirdisch nicht mehr sichtbaren Teil der Anlage brachten Grabungen im Jahr 1936 unter Leitung von Heinrich Jerchel. Die Reste des Klosters bilden heute zusammen mit einem in der Nähe gelegenen Teich und einer Mühle, umgeben von Wald, ein romantisches Ensemble. Eine Freilichtbühne mit regelmäßigen Theateraufführungen im Sommer nutzt dieses als stimmungsvollen Hintergrund.
Das Kloster selbst bestand aus der Stiftskirche mit eingezogenem Chor. An der Nordwand des Gotteshauses schloss sich rechtwinklig die Klausur an, bei der Ost- und Westflügel zweistöckig ausgebaut waren, während der Südflügel wohl nur aus dem Kreuzgang bestand. Aus dem verbliebenen Ostflügel liegt ein Dendrodatum vor: 1304.

nach:

Georg Dehio und Gerhard Vinken, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Brandenburg. 2000.
Oliver H. Schmidt und H. Jürgen Feuerstake (Hrsg.), Die Zisterzienser und ihre Klöster in Brandenburg. 2005.
Heinz-Dieter Heimann, Klas Neitmann, Winfried Schich, Brandenburger Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. 2007

 
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Hinweis2

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Dorfkirche Klaushagen
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