Obersdorf

Landkreis Märkisch-Oderland

obersdorf_nordost

Fälschlich könnte man denken, der Name des Ortes würde sich aus dessen Lage ableiten. Doch dem ist nicht so. Erzbischof Rudolf von Magdeburg überlässt 1253 dem schlesischen Kloster Leubus die villam Oprechti cum 50 mansis (das Dorf Oprechti mit 50 Hufen). 1344 wird ein Otbrechstorp erwähnt, aus dem dann 1405 Otwersdorf geworden ist. So war denn ein Mann mit dem deutschen Namen Odbrecht – vielleicht der Lokator – namensgebend.
Die Kirche besteht aus relativ kurzem Schiff und eingezogenem Chor mit geradem Ostabschluss. Im Westen schmückt sie ein kleiner quadratischer Turmaufsatz mit leicht geschwungenem Pyramidendach. Eine Eingangshalle findet sich auf der Südseite des Chors. Drei Strebepfeiler aus Mischmauerwerk stützen die Schiffsnordseite, ein weiterer gibt dem Gemäuer im Süden Halt.

Schiff und Chor wurden aus regelmäßigem Feldsteinmauerwerk errichtet. Relativ regelmäßig erscheint auch der südliche Anbau, zeigt jedoch einige neuzeitliche Veränderungen.
Die seitlichen Fenster an Schiff und Chor wurden nachträglich spitzbogig vergrößert während die Lanzetten der Dreifenstergruppe im Osten ihre ursprüngliche Form bewahrt haben könnten. Dies lässt sich wegen der die Gewände verdeckenden Putzfaschen allerdings nicht mit Sicherheit sagen.
Im Westen erfolgt der Zugang über ein Spitzbogenportal. Auf der Südseite wurde das Gemeindeportal mit Begleitbogen im Schiff zugesetzt und wird durch ein vergrößertes Fenster geschnitten. Die ehemalige Priesterpforte dürfte sich hinter dem Anbau verbergen.
Nach Grundriss und Mauerwerksausführung sowie Gestaltung der Portale gehört Obersdorfs Gotteshaus ans Ende des 13. oder den Beginn des 14. Jahrhunderts. Der Anbau im Süden dürfte geraume Zeit später, aber wohl noch im Mittelalter, dazu gekommen sein. Wohl im 19. Jahrhundert wurden die Fenster vergrößert und bekamen neogotische Spitzbogenabschlüsse. Am Ende des 2. Weltkrieges erlitt das Bauwerk starke Schäden. Der heutige Dachturm stammt so vom Wiederaufbau.

nach:

Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. IV, 1. Lebus. 1909.
Georg Dehio und Gerhard Vinken, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Brandenburg. 2000.
Reinhard E. Fischer, Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. 2005

Zeitreisen in der Mark Brandenburg und anderswo …