Burgwall Malitschkendorf

Elbe-Elster

In der Kremnitzaue, dort, wo die Landstraße von Malitschkendorf nach Schlieben das Flüsschen quert, beschreibt sie einen Bogen um eine inmitten der Felder gelegene Waldinsel. Fast völlig zugewuchert vom üppigen Grün verbirgt sich hier ein uralter Burgwall, der schon in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts das Interesse der gerade erst entstehenden prähistorischen Archäologie auf sich zog. Es war Dr. Friedrich August Wagner, Arzt und Pionier der jungen Altertumswissenschaft der hier und auch auf Grabhügelfeldern der Region gemeinsam mit anderen Interessierten erste Untersuchungen vornahm, zahlreiche Funde barg und seine Beobachtungen in zwei kleinen Publikationen der Nachwelt überlieferte. Damals war die Anlage noch von sumpfigem Gelände umgeben und scheinbar ein abgeschiedener Ort. Da Wagner dazu am Wall auch keine Schießscharten oder eine Brustwehr erkennen konnte, interpretierte er diese und die vergleichbaren Anlagen der Region wie Kosilenzien oder Wahlberge als heidnische Tempel der germanischen Semnonen. Beim Graben im Inneren des Walles traf er auf ergiebige Kulturschichten mit reichlicher Keramik, Tierknochen, Brandresten und auch den verschiedensten Alltagsgegenständen. Seiner Ansicht nach waren all diese Funde und Befunde der Hinweis auf über einen langen Zeitraum hindurch hier vollzogene Opferzeremonien. Man darf ihm diese und andere Fehleinschätzungen aber keinesfalls vorwerfen. Schließlich stand die Archäologie gerade erst am Anfang. Noch interessierten hauptsächlich – und das war auch der Ursprung für die Leidenschaft des Arztes – die Hinterlassenschaften Ägyptens, Griechenlands und Roms. Auch das Dreiperiodensystem, die chronologische Einteilung der Urgeschichte in die aufeinanderfolgenden Stufen Stein-, Bronze- und Eisenzeit war noch unbekannt und wurde erst in den Dreißiger Jahren des Jahrhunderts entwickelt. Weitere Methoden wie Seriation, geschlossener Fund oder die genaue Beobachtung von Schichten zur relativen Datierung wurden erst mehrere Jahrzehnte später entwickelt.

 

Da hatte es Albert Voß schon bedeutend leichter, als er 1876 hier ausgiebig grub. Im Gegensatz zu Wagner, der sich davon nichts versprochen hatte, legte er zwei Wallschnitte an, die Aufschlüsse über die Konstruktion als Holz-Erde-Mauer gaben. Auch das etwas, was früher völlig unbekannt war und zur irrtümlichen Interpretation dieser Burgen als Heiligtümer und Tempel führte.
Heute scheint der Burgwall fast in Vergessenheit geraten zu sein. Nur ein ganz schmaler, kaum zu erkennender Trampelpfad führt von der Straße und der leeren Info-Tafel zu Wall und Innenraum der Burg. Diese ist ein von ovalem Grundriss, was Wagner zum Vergleich mit einem Amphitheater verleitete. Jeweils an den Schmalseiten scheinen sich Zugänge zu befinden. Allerdings können diese auch neueren Ursprungs sein. Die Funde aus ihrem Inneren sowie aus der Umwallung erstrecken sich von der Bronze- über die frühe Eisenzeit, die römische Kaiserzeit, alt- und jungslawische Keramik bis hin zu frühdeutschem Material. Damit zeigt sich ein chronologisches Muster, wie es auch bei anderen Anlagen, wie der sogenannten Römerschanze bei Potsdam zu beobachten ist. Dabei wird eine bronzezeitliche Anlage im frühen und hohen Mittelalter von den eingewanderten slawischen Stämmen erneut genutzt.

nach:

Dr. Friedrich August Wagner, Die Tempel und Pyramiden der Urbewohner auf dem rechten Elbufer unweit dem Ausfluss der Schwarzen Elster. 1828.
Corpus archäologischer Quellen zur Frühgeschichte auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik (7. bis 12. Jahrhundert) / hrsg. von Joachim Hermann und Peter Donat.
Lfg. 4: Bezirke Cottbus, Dresden, Karl-Marx-Stadt, Leipzig,
S. 15

 
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