Altenau

Landkreis Elbe-Elster

Verborgen hinter Bäumen, Sträuchern und Putz: Der hochmittelalterliche Backsteinkern der Altenauer Dorfkirche
Verborgen hinter Bäumen, Sträuchern und Putz: Der hochmittelalterliche Backsteinkern der Altenauer Dorfkirche

Ursprünglich gehörte die Altenauer Kirche zum Dorf Boragk. Doch dieses wird 1939 mit Altenau unter dessen gemeinsamen Namen vereinigt. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass mit der Namenswahl im Sinne der Nationalsozialisten ein weiteres Stück slawisches Erbe in Deutschland getilgt werden sollte. Leitet sich der Name Boragk doch aus dem Slawischen ab, wo er eine an einem Nadelwald gelegene Siedlung bezeichnet. 1251 taucht Borc erstmals in den schriftlichen Quellen auf. Ein Pfarrer Johannes von Kergatz aus Boragk fungiert 1346 als Zeuge auf einer Urkunde des Klosters Mühlberg.

 

Rein äußerlich lässt das Gotteshaus kaum eine Einschätzung seines Alters zu. An den eingezogenen querrechteckigen Westturm schließt das Schiff an. Der folgende eingezogene Chor hat einen Dreiseitenschluss im Osten. Lediglich bei den Portalen auf der Südseite fällt die spitzbogige vermauerte Priesterpforte am Chor auf. Die gesamte Kirche in ihrem grauweißem Putzkleid könnte so vielleicht auch erst im 19. oder 20. Jahrhundert entstanden sein. Tatsächlich jedoch ist sie ausgesprochen alt. Unter Farbe und Putz verbirgt sich ein im Kern spätromanischer Bau der Zeit um 1200 – für Kirchen in Brandenburg ein biblisches Alter und so nur im Süden oder Südwesten anzutreffen. Also den Gebieten, die zuerst kolonisiert und christianisiert wurden. Ursprünglich dürfte es sich um eine Anlage des vollständigen Typs, bestehend aus Schiff, eingezogenem Chor und halbrunder Apsis gehandelt haben. Errichtet aus Backstein wie eine Reihe weiterer Kirchen im Umkreis des Mühlberger Kloster (Saxdorf, Burxdorf) und so dessen Ressourcen nutzend. Aus dieser Zeit stammt noch das Gemeindeportal auf der Schiffssüdseite, ein gestufter Rundbogen mit Mauervorlage und die hochansetzenden Fenster, allerdings teilweise barock erweitert.
Erste Veränderungen brachte die spätgotische Zeit. Dabei wurde wohl der Chor verkürzt und vielleicht auch schon mit dem polygonalen Schluss – unter dem Putz verbirgt sich Mischmauerwerk – versehen. Aus dieser Zeit stammt auch die spitzbogige Priesterpforte. Weitere Veränderungen brachte das 17. Jahrhundert. Jetzt erst wurde im Westen der Turm angefügt, vielleicht einen hölzernen Vorgänger ersetzend, und die Fenster vergrößert.
Aus dieser Zeit stammt auch der größte Teil der Innenausstattung. Erhalten hat sich in der Turmhalle ein großer romanischer Taufstein. Der Triumphbogen zwischen Turm und Schiff ist rundbogig. Hinzuweisen wäre noch auf eine kleine Bronzene Ritterfigur, zur Zeit ausgelagert, die bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts am Giebel angebracht war. Dabei könnte es sich um eine mittelalterliche Aquamanile – eine Gusskanne – handeln, die bei neuzeitlichen Umbauten aufgefunden, dort ihren zeitweiligen Platz gefunden hatte.

nach:
 

Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen. Herausgegeben von der Historischen Kommission für die Provinzen Sachsen und das Herzogtum Anhalt.
Bearbeitet durch Dr. Heinrich Bergner und Heinrich Nebelsieg.
29. Heft. Kreis Liebenwerda. Halle a.d.S. 1910
Georg Dehio und Gerhard Vinken, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Brandenburg. 2000.
Reinhard E. Fischer, Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. 2005


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Hinweis2

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Burgwall Kosilenzien
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