Werder (Teltow-Fläming)

Landkreis Teltow-Fläming

Dorfkirche Werder von Süden: Heute vorwiegend durch die frühgotischen Bauphase geprägt
Dorfkirche Werder von Süden: Heute vorwiegend durch die frühgotischen Bauphase geprägt

Werder entsteht in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts, denn bereits vor 1192 geht das Patronat an die Zinnaer Zisterzienser. Der Ortsname bezieht sich auf die damaligen geographischen Gegebenheiten. Bezeichnet der Name doch ein von Wasser umschlossenes Land bzw. eine Insel oder Halbinsel.
Die Kirche besteht heute aus querrechteckigem Westturm, Schiff und eingezogenem Chor mit geradem Ostabschluss. Allerdings zieht der Turm auf der Nordseite leicht ein. An die Nordseite des Chors wurde noch im Mittelalter eine Sakristei aus Backstein angefügt. Schiff und Chor zeigen ein regelmäßiges Mauerwerk aus sorgfältig bearbeiteten Feldsteinquader, wobei die einzelnen Lagen unterschiedlich hoch sind. Beim Mauerwerk des Turms, der auch durch eine erkennbare Baunaht vom Schiff getrennt ist, finden sich zwischen den einzelnen Quaderschichten kleinteilige Zwicklagen. Aus Backstein wurde das Glockengeschoss errichtet. Hier befinden sich die kleinen Schallöffnungen in großen gestuften Spitzbogenblenden, jeweils an den Ecken von einfachen Blenden flankiert.

Die Südseite weist teilweise starke Ausbesserungsspuren auf. Hier wurden alle Fenster stichbogig vergrößert und in Backstein gefasst. Im Gegensatz dazu finden sich auf der Schiffsnordseite drei schmale hochsitzende Rundbogenfenster und unter diesen ein Rundbogenportal. Wohl unverändert blieben auch die Öffnungen der Dreifenstergruppe im Osten. Zusätzlich hat das mittlere Fenster noch ein gestuftes Formsteingewände.
Im Innern ist der Triumphbogen rundbogig. Ansätze von Chorschranken sind erhalten. Die große spitzbogige Verbindung zwischen Turm und Schiff wurde vermauert. Einen mittelalterlichen Unterbau weist der Altar auf. Aus dem 13. Jahrhundert hat sich eine Sandsteintaufe und eine Einbaumtruhe des 14. Jahrhunderts mit eisernen Beschlägen erhalten. Weiterhin findet sich eine Glocke aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts mit der Aufschrift: REX GLORIA XPE VENI CUM PACE sowie bildlichen Darstellungen. Wir sehen ein Kreuz, das Lamm Gottes, Petrus und wohl die Jungfrau Maria. Kopf und Oberkörper des Gekreuzigten zeigt ein Glasmalereifragment vom Beginn des 16. Jahrhunderts im Chor.
Es scheint, dass die Kirche bereits in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts als spätromanische Anlage des sogenannten vollständigen Typs, bestehend aus Schiff, eingezogenem Chor und halbrunder Apsis errichtet wurde. In einer ersten Umbauphase wurde dann der Turm angefügt sowie die Apsis abgerissen. Der Chor, vielleicht verlängert, bekam seinen geraden Abschluss und die frühgotische Dreifenstergruppe. Vom Dach des Chors liegt ein Dendrodatum vor: 1404. Dies könnte möglicherweise die letzte mittelalterliche Bauphase datieren, bei der die Backsteinelemente Glockengeschoss, Sakristei und östliches Mittelfenster hinzukamen. Neuzeitlich ist lediglich die im 19. Jahrhundert erfolgte, nicht gerade ästhetisch ansprechende, Vergrößerung der Südseitenfenster.

nach:

Georg Dehio und Gerhard Vinken, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Brandenburg. 2000.
Marie-Luise Buchinger, Marcus Cante, Denkmale in Brandenburg, Landkreis Teltow-Fläming. Stadt Jüterbog mit Kloster Zinna und Gemeinde Niedergörsdorf. Bd. 17.1, 2000.
Reinhard E. Fischer, Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. 2005

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