Friedersdorf bei Rückersdorf

Landkreis Elbe-Elster

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Relativ früh, bereits 1217, wird Friderichsdorf erstmals erwähnt. Der Name spricht für sich. Gut möglich, dass ein Friedrich der Gründer des Ortes war.
Schiffsbreiter, querrechteckiger Westturm, eingezogener Chor und halbrunde Apsis bilden den Grundriss der Kirche. Wir haben es also mit einer spätromanischen Anlage vom sogenannten vollständigen Typ zu tun. Sowohl auf der Nord- wie auch der Südseite des Chors finden sich Anbauten. Turm, Schiff, Chor und Apsis ruhen auf einem Fundament aus Feldsteinen. Dieses Baumaterial, nur leicht mit Raseneisenstein durchmischt, bildet auch das Mauerwerk der unteren Bereiche. Erst darüber bestehen die einzelnen Bauglieder aus ziemlich regelmäßigen Lagen teilweise gequaderter Raseneisensteine. Beim Feldsteinunterteil scheint es sich, wie es auf der Nordseite besonders ins Auge fällt, nicht um einen Sockel zu handeln, zumal es mit den Rasensteinlagen vertikal in einer Flucht liegt. Eher wurde der Bau wohl als Feldsteinbau in Anlehnung an westlich und nördlich gelegene Vorbilder begonnen. Später wechselte man, vielleicht aus ökonomischen Gründen, zum in der Gegend oft verwendeten Raseneisenstein über. Das Turmobergeschoss ist verputzt, zeigt jedoch durch diesen Verputz noch einen Raseneisensteinanteil, während das Glockengeschoss in Ziegel-Fachwerk-Technik errichtet wurde. Darüber bildet ein Walmdach mit Reiter den Abschluss. Die Sakristei auf der Chornordseite dürfte im Kern zeitgleich mit der restlichen Kirche sein. Dagegen weist der Anbau im Süden Mischmauerwerk auf.

Alle seitlichen Fenster wurden stichbogig verändert und bekamen Putzfaschen. Ihren ursprünglichen Zustand scheinen dagegen die schmalen Lanzetten der Apsis bewahrt zu haben. Der schon erwähnte Anbau auf der Südseite verdeckt die spitzbogige Priesterpforte. An ihrer Tür haben sich sehenswerte gotische Eisenbeschläge erhalten. Von Spitz- auf Rundbogen wurde das Gemeindeportal auf der Schiffssüdseite verändert. Auch hier treffen wir noch auf alte Beschläge auf seiner Holztür. Das Portal im Westen ist jüngeren Datums und dürfte erst in der Neuzeit eingebrochen worden sein.
Im Innern verbinden breite Spitzbögen Turmhalle, Schiff und Chor. Der Bogen zur Apsis ist rund. Deren ursprüngliches Gewölbe ging verloren und wird jetzt durch eine Holzkuppel ersetzt. Den Chor überspannt ein Kreuzgewölbe. Auf dessen Schlussstein findet sich ein Relief des Heiligen Geistes als Taube.
Teilweise haben sich an den Wänden noch Reste von bis ins 13. Jahrhundert zurückreichenden Wandmalereien, unter anderem am Triumphbogen und den Fenstern, erhalten. Eine Darstellung Satans mit einem Weihwasserkessel, wohl aus dem 14. Jahrhundert findet sich an der südlichen Schiffswand, während die Reste an der Westwand kaum noch zu erkennen sind. Erwähnenswert von der sonstigen Ausstattung ist noch ein großer Taufstein aus dem12. oder 13. Jahrhundert, der sich vielleicht von Anfang an in der Kirche befand.
Besonders der Grundriss spricht für eine Datierung des Bauwerks wohl in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Ist dieser Ansatz richtig, so hätte man vielleicht auch einen Hinweis auf die zeitliche Einordnung des Rasensteinmauerwerks. Der Südanbau ist deutliche jüngeren Datums und dürfte im späten Mittelalter entstanden sein. Wie oft zu beobachten fand auch hier in der Zeit des Barock eine Vergrößerung der Fenster statt. Die Wetterfahne des Dachreiters auf dem Turm zeigt die Jahreszahl 1722. Im Innern wurden im 19. Jahrhundert Ergänzungen an den Wandmalereien besonders im Bereich der Fenster vorgenommen.

Zeitreisen in der Mark Brandenburg und anderswo …