Klaushagen
Uckermark
Die Markgrafen Johann II., Otto IV. und Konrad schenken 1271 den Boitzenburger Zisterzienserinnen das Patronat,
Grundbesitz und Einkünfte in Claweshagen. Ein Name, der, wie unschwer zu
erkennen, auf einen Klaus, eine Form des Nicolaus zurückgeht. Möglich das der Gründer des Dorfes so
hieß. Für das Jahr 1375 verzeichnet das Landbuch Kaiser Karl IV. die stattliche Zahl von 80 Hufen.
Zu großen Teilen gehört es da noch denen von Greiffenberg, welche diese aber 1382 an die Boitzenburger Nonnen verkaufen.
Nur noch in Ansätzen erkennbar: Der Bogen der großen Blende, die einst die Dreifenstergruppe rahmte
Westportal am Turm. Das Gewände teilweise in Backstein ausgebessert
Klaushagens Kirche, etwas erhöht gelegen, besteht aus querrechteckigem Westturm in Schiffsbreite
und Schiff mit geradem Ostabschluss. Beide Bauglieder umzieht ein gefaster Sockel. Errichtet
wurden sie aus regelmäßigem Feldsteinmauerwerk. In den oberen Bereichen wurde der Turm mit Backstein
ausgebessert, sein quadratisches sich zweistufig verjüngendes Oberteil ist verbrettert und wird von
einem Pyramidendach gekrönt. Im Norden findet sich noch eine neuzeitlicher Feldsteineingangshalle,
die 1872 eine wohl barocke Sakristei ersetzte.
Die seitlichen Fenster wurden rundbogig vergrößert. Zum Teil sind die schmalen ursprünglichen
Öffnungen noch erkennbar. Im Osten befand sich vormals wohl eine Dreifenstergruppe. Diese ist
jetzt allerdings völlig verändert. Gerade noch so erkennbar ist die große Blende, welche einmal die
Fenster ähnlich wie in Hassleben einschloss. Links darunter liegt eine backsteingefasste Nische,
vielleicht früher Platz für eine Figur oder ein Licht.
Auf der Westseite des Turms trifft man auf ein schmales Spitzbogenportal dessen Gewände teilweise
innen mit Backstein ausgebessert ist. Ein großes, etwa in Schiffsmitte befindliches Feldsteinportal
wurde vermauert. Ein weiterer zugesetzter Zugang liegt auf der Turmnordseite. Von hier erreichte man
früher eine Treppe in der Mauer des Turms.
Mauerwerk und Grundriss sowie die Form der noch erkennbaren Fenster und Portale sprechen für eine
Errichtung der Kirche in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Entscheidende Veränderungen brachte
dann das 18. Jahrhundert. Die Fenster wurden vergrößert und 1742 der Turmaufsatz errichtet, das Gebäude verputzt.
Das große Südportal. Darüber die mit Backstein vermauerten Nischen unterhalb der Traufe
Mit wenigen Strichen dargestellte Figur. Wohl einer der 12 Apostel
Friesfragmente, wie sie in den 30er Jahren sichtbar waren. (Umzeichung nach Jerchel 1937, S. 105, Abb. 101.)
Als man im in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts das Inventar der Kunstdenkmäler der
Provinz Brandenburg. Kreis Templin erstellte waren bereits große Teile des barocken Putzes abgefallen.
Unter diesen verbargen sich auf der Südseite unterhalb der Traufe 12 paarig angelegte Spitzbogennischen
sowie ein Putzfries, an dem sich noch Reste von gelber, roter und grauer Farbe befanden. Als bei
einer neuerlichen Erfassung und Restaurierungsarbeiten im Jahr 2002 eine der Nischen geöffnet wurde
zeigte sich die mit einfachen Strichen gestaltete Figur eines Menschen im langen Gewand. Es liegt
nahe, dass hier unterhalb des Kirchendachs die 12 Apostel dargestellt waren. Sowohl der Fries aber
auch ganz besonders die Nischen mit ihren bildlichen Darstellungen an der Außenseite des Gotteshauses
sind eine absolute Rarität. Allerdings darf man nicht vergessen, dass bei einer ganzen Reihe von Kirchen
die oberen Partien des Mauerwerks durch Zerstörungen im Lauf der Jahrhunderte verloren gegangen sind.
Trotzdem zeigt sich hier doch ein erheblicher und über das bekannte Normalmaß hinausgehender Aufwand.
Dieser korrespondiert jedoch auffällig mit der im Landbuch ausgewiesenen großen Hufenausstattung des
Dorfes und dürfte auch mit der Verbindung zum Nonnenkloster zusammenhängen. Der Zusammenhang zwischen
großer Hufenausstattung und repräsentativen Elementen an sonst ländlicher Kirchenarchitektur lässt
sich in Brandenburg häufiger beobachten.
nach:
Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg. 3.2. Kreis Templin. 1937.
Georg Dehio und Gerhard Vinken, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Brandenburg. 2000.
Reinhard E. Fischer, Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin.